Epilepsiechirurgie

Bei Patient:innen mit Epilepsie, bei denen zwei Anfallssuppressiva nicht zu Anfallsfreiheit geführt haben, soll die Option epilepsiechirurgischer Maßnahmen geprüft werden. Die prächirurgische Diagnostik sowie der chirurgische Eingriff sollen nur in epilepsiechirurgisch spezialisierten Zentren durchgeführt werden.

In der Leitlinie wird detailliert berichtet, welche personellen, technischen und institutionellen Anforderungen an ein Zentrum für die Durchführung der Epilepsiechirurgie gestellt werden (Kapitel 2.3, Tabelle 9). Patient:innen sollen eingehend über mögliche perioperative Komplikationen und das Risiko mittel- und langfristig erwartbarer neuropsychologischer Defizite aufgeklärt werden. Empfehlungen für das Therapiemanagement nach einem chirurgischen Eingriff findet man in Kapitel 2.3.12. Hier werden Fragestellungen zur postoperativen Nachsorge, zu Rehabilitationsmaßnahmen und auch zu einem Absetzen der Anfallssuppressiva näher beleuchtet.

Epilepsiechirurgie – Empfehlungen für die Praxis

  • Bei Patient:innen mit pharmakoresistenter Epilepsie und grundsätzlichem Interesse an einem epilepsiechirurgischen Eingriff soll die Überweisung an ein epilepsiechirurgisch qualifiziertes Zentrum erfolgen.

Detaillierte Informationen zu diesem Thema finden Sie in der Leitlinie in Kapitel 2.3.1.

Resektion

Bereits vor mehr als 100 Jahren wurde bei den ersten Patient:innen mit pharmakoresistenter fokaler Epilepsie der Anfallsfokus chirurgisch entfernt. Eine kontrollierte Studie konnte zeigen, dass mit Hilfe einer Teilresektion des Temporallappens bei deutlich mehr Patient:innen Anfallsfreiheit erreicht wird (58%) als mit der klassischen Pharmakotherapie (8%). Bihemisphärische epilepsietypische Muster, ein höheres Alter, eine Lern- oder Körperbehinderung, eine scheinbar geringe Anfallsfrequenz oder eine fehlende MRT-Läsion stellen keine Kontraindikationen für die Prüfung einer epilepsiechirurgischen Behandlungsoption und der nachfolgenden Möglichkeit einer Resektion des Anfallsfokus dar.

Abbildung: Anfalls-Outcome nach Temporallappenresektion bei Patient:innen mit Epilepsie

Achtzig Patient:innen mit Temporallappenepilepsie unterzogen sich nach Randomisierung einer anterioren Temporallappenresektion (rechts, n=40) oder wurden weiter ausschließlich mit Anfallssuppressiva behandelt (links, n=40). Nach 1 Jahr waren unter rein konservativer Behandlung 8% und nach chirurgischer Behandlung 58% der Patient:innen anfallsfrei. Bei den meisten operierten Patient:innen, die nicht anfallsfrei wurden, zeigte sich aber eine deutliche Reduktion der Anfallsfrequenz.

Referenz: Wiebe et al. A randomized, controlled trial of surgery for temporal lobe epilepsy. N Engl J Med 2001; 345: 311-318.

Laser-Thermoablation

Bei der Laser-Thermoablation wird über ein kleines Bohrloch in der Kalotte eine Sonde in das Areal des Anfallsfokus vorgeschoben. Durch die Applikation von Wärme kann ein umschriebenes Hirnareal abgetragen werden. Die Laser-Thermoablation kann bei mesialer Temporallappenepilepsie, beim hypothalamischen Hamartom, bei periventrikulären Heterotopien und bei fokaler kortikaler Dysplasie erwogen werden. Mit dieser Methode werden in Abhängigkeit von der Lokalisation des Anfallsfokus und der zugrundliegenden Pathologie etwa die Hälfte der Patient:innen anfallsfrei; die anderen Patient:innen haben deutlich seltener und teils schwächer ausgeprägte Anfälle.

Neurostimulation

Eine nachhaltige Reduktion der Anfallsfrequenz kann auch mit Hilfe extra- und intrakranieller Stimulationsverfahren erreicht werden. Nur bei einzelnen Patient:innen kommt es jedoch zu einer langjährig anhaltenden Anfallsfreiheit. Die zervikale Vagus-Nerv-Stimulation (VNS) sowie die tiefe Hirnstimulation (THS) des anterioren Thalamus können bei Patient:innen mit pharmakoresistenter Epilepsie erwogen werden, die nicht für einen resektiven oder ablativen epilepsiechirurgischen Eingriff infrage kommen oder diesen ablehnen. Auch nach einer Resektion des Anfallsfokus, welche nicht zur Anfallsfreiheit geführt hat, kann der Einsatz neurostimulatorischer Verfahren erwogen werden.


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