13.01.2004

Gesetzliche Krankenversicherung
 
Patienten müssen mehr zahlen


Die Gesundheitsreform bringt gesetzlich Krankenversicherten ab Januar 2004 deutlich höhere Ausgaben für ihre Gesundheit. Beispiel: Viele Zuzahlungen steigen und einige Leistungen werden von den Krankenkassen gar nicht mehr übernommen. Zudem wird eine Praxisgebühr von zehn Euro pro Quartal fällig. Einzig Vorsorgeuntersuchungen bleiben gebührenfrei. Die Zeitschrift FINANZtest erklärt Versicherten, welche Veränderungen auf sie zukommen.

Gebühr pro Quartal
Versicherte müssen einmal im Quartal eine so genannte Praxisgebühr bezahlen - und zwar an den Arzt, den sie zuerst aufsuchen. Dies kann ein Haus- oder Facharzt sein, aber auch ein Psychotherapeut. Alle weiteren Arztbesuche im Quartal sind gebührenfrei - allerdings nur, wenn der Versicherte eine Überweisung dabei hat, auf der die Gebührenzahlung vermerkt ist. Ausnahme sind Zahnarztbesuche: Hier müssen Versicherte zusätzlich 10 Euro pro Quartal zahlen. Gebührenfrei sind weiterhin Kontrolluntersuchungen wie die Krebsvorsorge beim Gynäkologen. Wenn jedoch zur Vorsorge gleich eine Behandlung hinzu kommt, müssen Patienten auch hier die Praxisgebühr zahlen.

Höhere Zuzahlungen
Neben der Praxisgebühr müssen Versicherte für Medikamente, Klinikaufenthalt oder auch Heilmittel mehr zuzahlen als bisher. Die Zeitschrift FINANZtest zählt die wichtigsten Veränderungen im Folgenden auf:

  • Medikamente.

    1. Nicht verschreibungspflichtige Arzneien zahlt die Kasse nur noch
    - für Kinder bis zum vollendeten 12. Lebensjahr,
    - für Jugendliche mit Entwicklungsstörungen bis zum vollendeten 18. Lebensjahr,
    - wenn sie als Therapiestandard bei der Behandlung schwerwiegender Erkrankungen gelten.

    2. Arzneien zur "Verbesserung der privaten Lebensführung" wie Viagra zahlt die Kasse auch dann nicht, wenn sie verschreibungspflichtig sind.

    3. Die Zuzahlungen für Arzneimittel müssen 10 Prozent des Preises, mindestens jedoch 5 Euro und höchstens 10 Euro pro Packung betragen. Medikamente unter fünf Euro zahlt der Versicherte selbst. Die bisherige Staffelung nach kleinen, mittleren und großen Packungen fällt weg. Daher sollten sich Versicherte, bei denen abzusehen ist, dass sie ein Medikament über einen längeren Zeitraum nehmen müssen, immer die größtmögliche Einheit verschreiben lassen.

  • Krankenhaus und stationäre Kuren. Der Eigenanteil beträgt pro Tag 10 Euro für maximal 28 Tage im Jahr. Bislang mussten Versicherte 9 Euro je Tag für maximal 14 Tage im Jahr zahlen.
  • Heilmittel. Für Massagen, Krankengymnastik oder Ergotherapie müssen Patienten ab Januar mindestens 10 Prozent der Kosten tragen. Hinzu kommen 10 Euro pro Rezept. Bislang galt ein eine Selbstbeteiligung von 15 Prozent.

  • Häusliche Krankenpflege. Bislang ohne Extragebühren müssen Versicherte nun 10 Prozent der Kosten sowie 10 Euro pro Verordnung zahlen. Allerdings ist die Zuzahlung auf 28 Tage pro Jahr begrenzt.

  • Hilfsmittel. Für Krücken, Prothesen und andere Hilfsmittel müssen Versicherte ebenfalls 10 Prozent der Kosten, jedoch mindestens 5 Euro und höchstens 10 Euro zuzahlen. Nachteil: Dies bezieht sich nur auf den Teil des Preises, der von der Kasse erstattet wird. Die Differenz zwischen erstattungsfähigem und tatsächlichem Preis müssen Versicherte zusätzlich übernehmen.

  • Zahnersatz. Härtefallregelungen gelten noch bis Ende 2004. Ab 2005 gibt es für alle Versicherten Festzuschüsse. Kassen setzen dann für Zahnersatz bestimmte Beträge fest. 50 Prozent davon bekommen Versicherte auf jeden Fall als Zuschuss. Wer die jährlichen Kontrolluntersuchungen hat machen lassen, erhält sogar 80 Prozent. Allerdings zahlen Versicherte ab 2005 auch einen gesonderten Beitrag für die Versorgung mit Zahnersatz.


Geringverdiener müssen zahlen
Die Zuzahlungen werden unabhängig vom Einkommen fällig. Generelle Befreiungen wie bisher gibt es ab 2004 nicht mehr. Nur Kinder und Jugendliche sind von der Zuzahlung befreit. Insgesamt müssen Versicherte 2 Prozent ihres jährlichen Haushaltsbruttoeinkommens ausgeben. Ausnahme: Chronisch Kranke zahlen nur 1 Prozent. Wer mehr als das festgesetzte Maximum für Zuzahlungen ausgibt, kann den überschüssigen Betrag von der Krankenkasse zurückfordern.
Quelle: Stiftung Warentest 7.01.2004
Website: www.stiftung-warentest.de
Einige endgültige Aussagen bei chronisch kranken Patienten stehen noch aus. Fragen Sie Ihre Krankenkasse, wenn konkrete Unsicherheiten bestehen.
Sammeln Sie alle Quittungen am besten in einem Ordner oder beantragen Sie bei Ihrer Krankenkasse ein Heft, worin Sie Ihre Quittungen/Beträge der Apotheken bestätigen lassen können. Ist bereits nach einem Quartal die Höchstgrenze bei chronisch Kranken 1% (andere Versicherte 2% ) des Haushaltsbruttoeinkommens erreicht, kann mit einem Einkommensnachweis und den Quittungen ein Ausweis bei der Krankenkasse für eine Befreiung der kommenden Ausgaben für das laufende Jahr beantragt werden.
Wer ist chronisch krank?   Weitere Informationen
Bundesministerium für Gesundheit und Soziales = Ausführliche Infos zur Gesundheitsreform
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