11.11.2003

Ab wann ist es gefährlich, wenn ein Medikament zu Hautauschlägen führt?

Antiepileptika können eine Vielzahl von Arzneimittelreaktionen an der Haut auslösen. Diese reichen von Juckreiz über milde, nur vorübergehende Ausschläge bis hin zu schweren lebensbedrohlichen Hautreaktionen. Zu den letzteren gehören das sogenannte Stevens-Johnson-Syndrom (SJS) und die Toxisch epidermale Nekrolyse (TEN). Diese schweren Hautreaktionen sind erfreulicherweise sehr selten; etwa zwei Fälle pro eine Million Einwohner pro Jahr, d.h. ca. 140 Patienten pro Jahr erleben eine solche schwere Hautreaktion in Deutschland. Diese Zahlen beziehen sich auf die schweren Hautreaktionen als solche, unabhängig davon, durch welches Arzneimittel sie ausgelöst wurden. Alle in Deutschland auftretenden Fälle werden zentral im Dokumentationszentrum schwerer Hautreaktionen (dZh) an der Universitäts-Hautklinik in Freiburg erfasst. Eine Reihe von Arzneimitteln sind als Auslöser von SJS und TEN bekannt, hierzu gehören auch die Antikonvulsiva Phenytoin, Lamotrigin und Carbamazepin.

Klinisch entstehen Flecke und schießscheibenartige Hautveränderungen vor allem am Körperstamm, die sich über den gesamten Körper ausbreiten können. Auf diesem Ausschlag entstehen Blasen, die zu einem Bild führen, das einer Verbrühung oder Verbrennung zweiten Grades ähnlich ist. Gleichzeitig bestehen offene Wundflächen im Bereich der Schleimhäute. Die Patienten mit einer solchen schweren Hautreaktion müssen stationär behandelt werden.

Nicht jeder einfache Hautausschlag führt zu einer schweren Hautreaktion im Sinne eines SJS oder einer TEN, weshalb beim Auftreten eines Ausschlags vom Hautarzt entschieden werden sollte, ob die Gefahr besteht, dass sich aus dem vorliegenden Befund eine schwere Hautreaktion entwickelt.

Wenn fachärztlicherseits entschieden wird, dass sich eine schwere Hautreaktion entwickelt oder bereits vorliegt, sollten nach Absprache mit den behandelnden Ärzten all die Arzneimittel abgesetzt werden, die als mögliche Auslöser der Reaktion in Frage kommen. Hierzu gehören in erster Linie die Arzneimittel, die innerhalb von 3 Wochen vor Beginn der Hautreaktion neu angesetzt wurden. Bei den oben angeführten Antiepileptika kann der Zeitraum etwas verlängert sein, das heißt, Phenytoin, Lamotrigin und Carbamazepin werden manchmal 4 bis 6 Wochen lang vom Patienten vertragen, bevor es zum Auftreten von Hauterscheinungen kommt.

Daher ist es wichtig, dass bei Neueinstellung oder Umstellung der antiepileptischen Therapie sowohl der Patient als auch der behandelnde Arzt für einige Wochen sehr genau auf möglicherweise entstehende Haut- und Schleimhautveränderungen achten. Wird ein Antiepileptikum längere Zeit eingenommen, ist nur noch selten mit dem Auftreten einer schweren Hautreaktion zu rechnen! Mildere Hautausschläge und Juckreiz wurden allerdings auch nach längerer Einnahmezeit von Antiepileptika beobachtet.

Kontakt:
Dr. med. Maja Mockenhaupt
Dokumentationszentrum schwerer Hautreaktionen
Universitäts-Hautklinik
Hauptstr. 7
D-79104 Freiburg
Sekretariat: Tel: ++49 / +761 / 270 - 6723 Fax: ++49 / +761 / 270 - 6834
email: dzh@haut.ukl.uni-freiburg.de
Webseite: www.ukl.uni-freiburg.de/haut/dzh/

Herausgeber Informationszentrum Epilepsie
Stand : November 2003
Wissenschaftlicher Beirat: A. Schulze-Bonhage/ D. Dennig