7. Juli 2003

Neues Behandlungsverfahren bei gelastischen Epilepsien aufgrund von hypothalamischen Hamartomen

A. Schulze-Bonhage, Universitätsklinikum Freiburg 

Bei gelastischen Epilepsien handelt es sich um eine seltene, meist schwer verlaufende Epilepsieform mit sog. "Lachanfällen". Diese Epilepsien beginnen meist im frühen Kindesalter, sprechen auf medikamentöse Therapien in aller Regel nicht an und haben einen schweren Verlauf mit Entwicklung weiterer Anfallstypen, einer Beeinträchtigung der kognitiven Entwicklung und der Entwicklung von Verhaltensstörungen.

Die Ursache dieser gelastischen Epilepsien liegt in umschriebenen Entwicklungsstörungen ("Hamartomen") im oder am Hypothalamus. Da diese operativ nur schwer zugänglich sind und ein hohes Risiko für Nebenwirkungen von Operationen besteht, wird weiterhin nach besser verträglichen Behandlungsverfahren gesucht.

In der Abteilung Stereotaktische Neurochirurgie am Universitätsklinikum Freiburg (Direktor: Prof. Dr. Ch. Ostertag) wurde eine neue Behandlungsmethode durch gezieltes Einsetzen einer kleinen Strahlenquelle in das Hamartom entwickelt ("interstitielle Radiochirurgie"). Diese Strahlenquelle ("seed") verbleibt für ca. 3 Wochen im Hamartom und wird dann wieder entfernt. Diese Eingriffe können in Lokalanästhesie durchgeführt werden.

Bislang sind 7 Patienten behandelt worden, bei denen der Effekt auf die Epilepsie über einen Zeitraum von mindestens einem Jahr beurteilt werden kann. Zwei der Patienten wurden anfallsfrei, zwei weitere haben lediglich noch Anfälle bei erhaltenem Bewußtsein (reine Lachanfälle), bei zwei weiteren Patienten wurde kein zureichender Effekt auf die Anfallsfrequenz erzielt. Bei einem Patienten war das Einsetzen der Strahlenquelle in das Hamartom nicht möglich.

Abgesehen von einer Gewichtszunahme eines Patienten um 5 kg verspürte keiner der bislang behandelten Patienten relevante Nebenwirkungen der Therapie.

Betroffene können sich wegen weiterer Informationen wenden an:

Dr. A. Schulze-Bonhage, Epilepsiezentrum, Universitätsklinikum Freiburg, Breisacher Str. 64, 79106 Freiburg, Tel. 0761-270 5366 bzw.  schulzeb@nz.ukl.uni-freiburg.de